Sehenswürdigkeiten in Templin: Entdeckungstour durch die Stadtgeschichte

Von Lenzen aus geht es zur letzten Stadt der historische Stadtkerne Brandenburg Tour in diesem Jahr. Das Wetter wird winterlicher und ich bin bereit für den Süden. Doch vorher schaue ich mir Templin an. Dazu fahre ich mit meinem Mini Camper Tuesday wieder in den Norden von Brandenburg, denn Templin liegt im Landkreis Uckermark, inmitten idyllischer Seen und ausgedehnter Wälder. Mich erwartet hier ein schönes Rathaus, eine Stadtmauer, ein historischer Stadtkern und gut erhaltene Stadttore.

👆🏻In Vlog 223 nehme ich euch mit zu den schönsten Sehenswürdigkeiten in Templin.
Geschichte
• Der Name Templin bezieht sich auf die Lage und bedeutet Hügel, am Wasser gelegen oder vom Wasser umgeben.

• An der Stelle der heutigen Schleuse befand sich vor der Stadtgründung ein natürlicher Damm, über den die damals recht sumpfige, schwer passierbare Gegend durchquert werden konnte und der dazu führte, dass sich hier zwei Handelsstraßen kreuzten, die Teil des mittelalterlichen Straßennetzes der Via Regia waren. 

• Die ersten Siedler Templins kamen aus dem Harz und der Altmark. 

• 1270 wird Templin erstmals urkundlich erwähnt.
Mühlentor
Ich starte am Mühlentor, dem ältesten der 3 Stadttore welches auch das kleinste ist. Hier befindet sich auch die Schleuse von Templin.

Der Name Mühlentor weist darauf hin, dass bereits seit der Gründung Templins im Bereich des Vortors Mühlenanlagen bestanden. Eine letzte Getreidemühle wurde dort noch bis 1990 betrieben. 

Zur Stadtseite könnt ihr am Tor ein Plattenfries mit Palmettenornament  sehen. Es wurde nach dem Vorbild der Klosterkirche zu Chorin gestaltet.
Vom Mühlentor aus folge ich der Stadtmauer Richtung Westen. Vor 1300 gab es hier nur einen Palisadenzaun als Schutz.

In Templin kann man zwischen dem Stadtmauerrundweg und dem Archäologischen Stadtrundgang wählen.

Ich entscheide mich für die Stadtmauer denn diese gilt als die wohl schönste Stadtbefestigung im norddeutschen Raum.
Im ersten Abschnitt ist die Stadtmauer weniger spektakulär, der schöne Teil beginnt erst im Süden. Daher mache ich vorerst einen Abstecher zum Marktplatz.
Marktplatz Templin
Der Templiner Marktplatz wurde im 13. Jahrhundert an der Kreuzung wichtiger mittelalterlicher Handelsstraßen als Handelsplatz angelegt. Hier konzentrierte sich das gesamte Stadtleben.

Seine heutige Anlage erhielt er nach dem letzten großen Stadtbrand von 1735.
Rathaus Templin
Natürlich bin ich wegen des schönen Rathauses zum Markt gelaufen.
Alte Kellergewölbe weisen auf das Vorhandensein früherer Rathäuser an diesem Platz hin. Doch auch in Templin haben Stadtbrände viel zerstört, letztmalig 1735.
Das heutige Rathaus wurde 1751 eingeweiht und ist ein richtiges Schmuckstück.
Im Untergeschoss findet ihr die Tourist Info von Templin.
Tourist Info Templin
AdresseAm Markt 19, 17268 Templin

Die Öffnungszeiten erfahrt ihr auf der Homepage. Im Winter ist Sonntags geschlossen.

In der Tourist Info findet ihr neben Informationen auch regionale Produkte. Ich kam mal wieder an den handgesiedeten Seifen nicht vorbei.
Älteste Fachwerkhäuser von Templin
Auch in dieser Stadt folgte nach den zahlreichen Stadtbränden die Anordnung, nur noch traufständige Fachwerkhäuser zu bauen.

Wenn ihr Fachwerk mögt, dann wird euch Templin gefallen. Die Straßen der Altstadt sind gesäumt von zahlreichen schönen Fachwerkbauten.

Ganz besonders in der Rühlstraße, denn hier findet ihr ein paar wenige, die den Stadtbrand überlebten. Sie wurden ab 1735 erbaut. Es lohnt sich dort entlang zu schlendern. Außerdem bringt uns diese Straße zurück an die Stadtmauer.
Eulentum Templin
Im 14. Jahrhundert baute man das halbrunde Wiekhaus an dieser Stelle zu einem Turm um. Es diente dann zum Schießpulver lagern und als Stadtgefängnis.

Steht man vor dem Eulenturm, so fällt eine Naht im Mauerwerk auf. Hintergrund ist, dass der Eulenturm früher ein halbrundes Wiekhaus war und die andere Hälfte einfach angebaut wurde.

Dem Umstand, dass er auch als Gefängnis diente verdankt er seinen Zweitnamen, Hungerturm. Auch in Templin mussten die angehörigen für den Gefangenen sorgen. Hatte er keine und war die Stadtkasse leer, dann verhungerte auch mal einer der Insassen.

Zugleich diente der Turm als Beobachtungs- und Wehrturm, denn wegen des langen und stark gekrümmten Bogens zwischen Prenzlauer Tor und Berliner Tor war das Gelände im Südosten schwer zu überwachen. 
Stadtmauer von Templin
Vom Eulenturm aus geht es für mich weiter an der Stadtmauer entlang.

Die Templiner Mauer war nach ihrer Fertigstellung 1.735 Meter lang. Heute kann man hier den Stadtmauer Rundweg laufen.

Das 1,80 m tiefe und bis zu 2 m breite Fundament der beeindruckenden Mauer besteht aus ohne Mörtel geschichteten Feldsteinen.

Die Steine sind in der 6-7 Meter hohen Mauer sorgfältig geschichtet. Eine Reihe von großen Steinen wurde mit einer Reihe faust- bis kopfgroßen Steinen ausgeglichen. Es gab keine Zinnen und keinen Wehrgang. 

Die Mauer ist relativ glatt, die Steine sind vor Ort von Steinschlägern bearbeitet und dann in die Mauer eingesetzt worden.
Wiekhäuser von Templin
Es gibt noch 50 Wieckhäuser von ursprünglich 54.

Eine Besonderheit Templins ist die seltene halbrunde Form aller Wieken.

Zur Stadt hin sind zwei Absätze gebaut worden, die zur Auflage von Balkendecken dienen, von denen aus die Stadt verteidigt wurde.
Sie waren nur über Leitern erreichbar.

In den oberen Etagen befinden sich Schießscharten nach allen Seiten und nach unten, so dass es keine toten Winkel gab. 

Aus zwei der Wieken sind Rundtürme entstanden. Zum zweiten kommen wir noch.
Berliner Tor
Neben dem Berliner Tor fällt ein seltsam ausgehöhlter Stein in der Stadtmauer auf, ein Mahltrog aus der Bronzezeit, der als solcher nicht mehr gebraucht wurde und so die Mauer verstärkte.

Das Berliner Tor stammt aus dem 14. Jahrhundert.

Bei der Instandsetzung der 1735 ausgebrannten Stadttore fand man zwei Musketenkugeln aus dem 30-jährigen Krieg und brachte sie zur Erinnerung an eine furchtbare Zeit in den Blendnischen an. Ihr könnt sie außen noch heute sehen.

Ab 1860 wurde das Tor als Kornspeicher genutzt. Daher auch der Erkeranbau mit Hebevorrichtung innen.
Grab der Friederike Krüger
Am Berliner Tor verlasse ich die Stadtmauer erneut und laufe zum nahen Friedhof. Hier gibt es das Grab der Friederike Krüger zu sehen.

Friederike verwandelte sich über Nacht in August Lübeck, um ihr Land gegen die Franzosen zu verteidigen. Sie wurde dem Infanterieregiment Nr. 9 Kolberg zugeteilt und diente als erste Frau in der preußischen Armee.

Erst als sie auf dem Schlachtfeld bei Dennewitz verwundet wurde stellte man ihr Geschlecht fest und so kam sie ins Lazarett nach Berlin.

Genesen kehrte sie wieder zu ihrem Regiment zurück.

Nach dem Krieg wurde sie beim König eingeladen, wo sie ihren späteren Mann kennenlernte. Beide lebten in Templin.
St. Georgenkapelle Templin
Von der Innenseite des Berliner Tores ist es nicht weit zum ältesten Gebäude Templins.

Die kleine Kapelle aus dem 14. Jahrhundert, in backsteingotischer Bauweise gebaut, wurde niemals völlig zerstört.
Hinein konnte ich leider nicht.
Pulverturm Templin
Wieder am Berliner Tor laufe ich weiter an der Stadtmauer entlang zum Pulverturm.
Wie schon der Eulenturm entstand auch dieser Turm aus einem halbrunden Wiekhaus.

Wir sind jetzt am östlichen Teil der Mauer. Zwischendrin gibt es weitere Öffnungen, die aber erst später hinzukamen.
Prenzlauer Tor
Dieses Tor ist das jüngste der Stadt. Es besitzt neben dem Haupttor auch ein Vortor einen Zwinger, den man noch gut erkennen kann.

Außerdem kann man hier einen weiteren Eingang in die Stadt finden, der sogenannte Woldemar Durchgang. Da ist sie wieder, die Legende um den falschen Woldemar, den Markgrafen von Brandenburg.

Alle Städte die den falschen Woldemar in die Stadt ließen musste ihre Tore zumauern, so dass es nur einen kleinen meist zusätzlichen Eingang gab.
Museum für Stadtgeschichte
Im Prenzlauer Tor ist das Museum für Stadtgeschichte untergebracht. Hier erfahrt ihr viele Details über die spannende Ortsgeschichte von Templin.
Maria Magdalenen Kirche
Ich verlasse die Stadtmauer und laufe noch zur Kirche, die leider geschlossen ist.

Sie steht auf den Fundamenten ihrer mittelalterlichen Vorgängerin von 1492 und somit auf dem ursprünglichen Begräbnisplatz der Stadt.

1735 brannte sie bis auf den Turmsockel und die Sakristei nieder.

14 Jahre dauerte der Wiederaufbau. König Friedrich II. setzte es durch, dass die Kirche 1749 wieder eingeweiht werden konnte. Daran erinnert ein Spruch am Seitenportal. 
Wohnmobil Stellplatz Templin
Der Platz liegt am Mühlentor, direkt am Wasser auf einem großen Parkplatz.

Ich hab hier sehr ruhig und sehr gut geschlafen

5€/24h, zu zahlen mit einigen gängigen Apps.
Es gibt V/E, allerdings ist das Grauwasser nur über einen Schlauch oder mittels eines Gefäßes zu entsorgen. Man kann nicht drüber fahren.

Der Wasserhahn war abgestellt, was im November natürlich logisch ist.
Fazit:
Templin hat viel zu bieten, nehmt euch mindestens 2 Tage Zeit für die Stadt.

Mir hat es hier sehr gut gefallen und wenn ihr Fachwerk und Stadtmauern mögt, dann seid ihr hier absolut richtig.

Es gibt aber zusätzlich das Thermalsoleheilbad für die regnerischen Tage und die Möglichkeit für Aktivitäten auf dem Wasser.

Mehr Städtetouren in Brandenburg findet ihr hier.
Besucht am: 18. November 2024

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