Heute nehme ich euch mit auf meinen Roadtrip durch die 31 historischen Ortskerne in Brandenburg. Wir schauen uns Jüterbog an, eine mittelalterliche Stadt im Landkreis Teltow Fläming. Als Kulturhauptstadt des Niederen Flämings wartet Jüterbog mit einigen Sehenswürdigkeiten auf. So gibt es hier eine Stadtmauer, 3 Stadttore, zahlreiche Wehrtürme, das schönste Rathaus Brandenburgs und die zweitälteste Stadt des Landes.
Inhalt
Stadtrundgang durch Jüterbog
Ich starte meinen Rundgang am Wohnmobilstellplatz in der Straße An der Tränke. Es gibt dort auch Platz für PKW. Vorbei am Ufer des romantischen Teiches gelange ich zu den Ursprüngen Jüterbogs, dem einst eigenständigen Ort Damm.
Da wo früher eine slawische Burg stand und später ein Schloss findest du heute die Liebfrauenkirche und das Liebfrauenkloster.
Entlang der alten Häuser, die früher vor dem Stadttor lagen stehen interessante Tafeln, die von einer Ausgrabung berichten. Demnach liegt noch heute unter dieser Straße eine weitaus ältere Holzbohlen Straße aus längst vergangener Zeit.
Liebfrauenkirche Jüterbog
Die 1161 errichtete Kirche ist das zweitälteste erhaltene Gotteshaus im Land Brandenburg. 1282 entstand daneben das Liebfrauenkloster, ein Zisterzienserinnenkloster, das man leider nicht besichtigen kann. Dennoch empfiehlt es sich die schöne Backsteinfassade und den Ziergiebel zu bewundern. Dabei kommt man auch an den Überbleibseln des Schlosses vorbei.
Und dann ist da noch der Friedhof, auf dem es immer noch spuken soll. 🤷🏻♀️
Dammtor Jüterbog
Es gibt eines der drei Stadttore Jüterbogs, auf das ich mich besonders gefreut habe, denn es repräsentiert sozusagen alles, was ich mit dem Mittelalter verbinde. Es ist das besterhaltene der drei Tore und wird logisch, gerne fotografiert. Sein Name deutet heute noch auf den alten Ort Damm hin, der hier endete oder begann. Manchmal nennt man es aber auch Frauentor, denn auch das Frauenkloster steht nicht weit entfernt.
Ursprünglich gab es hier, wie bei den anderen Toren auch, eine Doppeltoranlage. Erhalten ist am Dammtor nur das Außentor, der Zwinger und die Innentürme. Der zugehörige Torbogen wurde 1851 abgerissen, da ein Standbild König Friedrich Wilhelm III. nicht hindurch passte.🤷🏻♀️
Besonders ist am Dammtor, das neben dem Zwinger auch das einzige Torwärterhäuschen erhalten ist. Es steht dicht am runden Turm in der Mönchenstraße.
Die Bürger von Jüterbog mussten selbst die Wache einteilen und die Tore besetzen. Der Torwärter und später der Akzise Eintreiber hielten sich in den Häusern am Tor auf.
In Jüterbog gibt es viele Möglichkeiten die Stadt zu erkunden. Den Weg um die Stadtmauer, eine von der Stadt vorgeschlagene Erkundungstour, der Vorschlag des Vereins der historischen Stadtkerne oder aber eine Führung durch die Stadt. Ich hab mich für meine eigene Tour entschieden, die allerdings diesmal nicht unbedingt die kürzeste ist, da ich kreuz und quer gelaufen bin, weil ich immerzu da ein tolles Haus und dort schönes Fachwerk gesehen habe.
Vom Dammtor aus gehe ich weiter nach rechts an den Tetzelstuben entlang in die Straße Hinter der Mauer. Dabei solltet ihr dem Tetzel, der da als Holzfigur steht einen Blick gönnen. Er war es nämlich, der mit seinen Ablassbriefen Luther auf die Palme brachte, worauf dieser seine 95 Thesen an die Tür in Wittenberg schlug und damit die Reformation auslöste. Dieser Tetzel wirkte auch in Jüterbog und zwar sehr erfolgreich, da die Stadt ziemlich wohlhabend war.
Dem Tetzel begegnen wir noch mal, vorerst werfe ich einen Blick auf den Platz mit der Luthereiche. Dort fand man bei Ausgrabungen die Reste des Heilig Geist Hospitals, dem ältesten Gebäude Jüterbogs.
Stadtmauer & Türme in Jüterbog
Entlang der Straße Hinter der Mauer gibt es das schönste Stück der alten Stadtmauer zu sehen. Außerdem trefft ihr dort auf drei Türme, denn auch in Jüterbog gab es Tore, Weichhäuser, Türme und Basteien in der Mauer. Die Ersterwähnung der Stadtmauer liegt im Jahr 1335 aber wahrscheinlich begann man um 1300 mit der Erbauung der 6 Meter hohen Befestigungsanlage.
Der erste Turm auf den wir stoßen ist der Mäuseturm, der mir besonders gut gefällt, weil man an ihm einen Aufgang zum Wehrgang nachgestellt hat. Allerdings stammt er aus dem 15. Jahrhundert, wie auch die anderen beiden, denen wir in dieser Straße begegnen, der Pulverturm und der Wehrturm.
Von hier hat man einen schönen Blick auf die Felder oder stadtseitig auf die beiden Türme der Nikolaikirche zu der wir noch kommen.
Neumarkttor Jüterbog
Die Straße hinter der Mauer führt uns direkt zum nächsten Stadttor, dem Neumarkttor. Da der Neumarkt sehr stark verändert wurde sieht es hier am wenigsten aus wie im Mittelalter. Von den Türmen blieb nur der Eierturm aus 1300 erhalten, der seinen Namen trägt, weil sein Grundriss eiförmig ist. Schaut mal auf den Boden, die Steine verdeutlichen es.
Es lohnt sich aber den Weg zum Außentor weiter zu laufen, denn auch hier gibt es interessante Fakten über Jüterbog. Wie kam der Ort eigentlich zu seinem Namen und was macht die Frau mit der Ziege dort?
| Die Legende vom Stadtnamen Jüterbog |
| Für den Namen gibt es drei Vorschläge von denen natürlich keiner exakt bewiesen ist. Mir gefällt jener mit der Frau, die Jutta heißt am besten. Sie kam mit ihrer Ziege durch das gerade fertig gewordene Tor und daher erhielt die Stadt ihren Namen. |
| Adresse: Vorstadt Neumarkt, 14913 Jüterbog |
Für mein nächstes Ziel müssen wir ein paar Meter zurück, die Große Straße entlang, die auch die Bundesstraße 102 ist.
In der Schulstraße steht die Tetzelkapelle, sie ist von der Großen Straße aus zu erreichen. Ich lasse sie aus, denn die berühmte Truhe des Herrn Tetzel steht nicht mehr dort sondern in der Kirche St. Nikolai.
St. Nikolaikirche Jüterbog
1307 wurde die Kirche das erste Mal erwähnt. Ihre Bauzeit zog sich und die beiden Türme wurden extra gesetzt. Die Spitze des Nordturms war offenbar mangelhaft konstruiert, so dass sie neu gemacht werden musste. Dies erfolgte erst 1617. Daher kommt der Umstand, dass die Kirche zwei unterschiedliche Spitzen hat, die mit einer Bogenbrücke verbunden sind. Die Ähnlichkeit mit der Stadtkirche in Wittenberg ist nicht zu leugnen.
Die St. Nikolai ist schon von weitem zu sehen, wenn man sich Jüterbog nähert, sie ist eine offene Kirche, auch der Kirchturm kann bestiegen werden und bietet einen herrlichen Ausblick über die Stadt.
| Die Kirche ist von Mai bis Oktober 13-17 Uhr außer Montags für Besucher geöffnet. |
| Adresse: Nikolaikirchpl. 1, 14913 Jüterbog |
Ich verlasse den Kirchhof in der Nikolaikirchstraße und laufe über die Kleine Kirchstraße zum Planeberg. Dort steht das Abtshaus der Zisterziensermönche des nahen Klosters Zinna, die es als Stadtresidenz nutzen. Der gotische Bau stammt ca. von 1480. Hinein kann man nicht. Deshalb geht es für mich weiter, zum nächsten Stadttor, das gleich um die Ecke in der Zinnaer Straße steht.
Zinnaer Tor Jüterbog
Von diesem Tor sind beide Innentürme erhalten, es ist damit das einzige wo noch ein komplettes Innentor zu sehen ist. Der dicke runde Turm stammt aus 1300, der eckige ist ein spätgotischer Bau. Vom Zwinger und dem Außentor ist gar nichts mehr zu sehen. Auch am Zinnaer Tor findet man Stadtgeschichte. Die Legende von der Keule, die an jedem der Jüterboger Tore zu finden ist, wird hier erklärt.
| Adresse: Zinnaer Str., 14913 Jüterbog |
| Weitere Infos bekommt ihr im Museum am Mönchenkloster. |
Vom Zinnaer Tor aus lohnt es sich wieder den Weg an der Stadtmauer (Am Zinnaer Tor und Am Frauentor) zu gehen. In diesem Abschnitt wurde die Mauer restauriert und neu gestaltet. Ich laufe daran entlang bis ich den Klostergarten und das Mönchenkloster entdecke.
Mönchenkloster Jüterbog
Ende des 15. Jahrhunderts zogen die Franziskaner Mönche in Jüterbog ein und errichteten ein Kloster, das bis zur Reformation bestand. Seit 1985 ist die Bibliothek, ein Museum, ein Konzertraum, ein Theater und die Tourist Info hier ansässig. Im Museum könnt ihr original erhaltene Tetzel Ablassbriefe bestaunen und die Figur des Heiligen Mauritius, die uns noch begegnen wird.
Wunderschön ist der Klostergarten und die Architektur der riesigen Klosteranlage. Ein Besuch lohnt sich.
Auf dem Mönchenkirchplatz vor dem Kloster stehen Infotafeln zur Reformation, eine Infotafel der historischen Stadtkerne Brandenburg und ein Bronzerelief der Stadt Jüterbog.
| Mönchenkloster Jüterbog |
| Adresse: Mönchenkirchplatz 4, 14913 Jüterbog |
Von hier aus gehe ich wieder ein Stück zurück Richtung Markt, denn dort soll das schönste Rathaus Brandenburgs stehen.
Rathaus und Marktplatz Jüterbog
Jüterbog ist nach Brandenburg an der Havel die zweitälteste Stadt im Land Brandenburg, seit 1007 gibt es Aufzeichnungen, 1174 gab es das Stadtrecht. Natürlich brauchte es da auch ein Rathaus. Und was für ein schönes, schaut euch den Giebel an, er ist einfach nur ein Träumchen.
1285 bekam die Stadt eine Fläche geschenkt um das Rathaus zu erbauen. Wie so oft wurde immer wieder an und umgebaut, so kam die Gerichtslaube erst 1477 hinzu, in der für Jedermann erlebbar Gericht gehalten wurde. Sie ist besonders sehenswert mit ihrer Deckenbemalung. Außerdem fand hier der berühmte Prozess gegen Hans Kohlhaas statt, der die Vorlage für Heinrich von Kleist’s Michael Kohlhaas war. Die Tafel könnt ihr in der Gerichtslaube sehen.
Im Rathaus selbst ist das Fürstenzimmer wohl das, was man gesehen haben muss. Man kann es allerdings nur im Rahmen einer Führung besichtigen, da es bis heute Sitz des Bürgermeisters ist.
Im Fürstenzimmer fand man bei Restaurierungsarbeiten ein Fresko, das eindeutig der Cranachschule in Wittenberg zugeordnet wird. Die Sandsteinsäule in der Mitte scheint die Sternengewölbedecke zu tragen, kein Wunder, dass hier schon Wallenstein und Friedrich II. von Preußen über die Stadtgeschichte bestimmten.
Der Weg außen ums Rathaus ist ebenso lohnenswert, denn an der nordöstlichen Ecke hängt ein Ritter in Lebensgröße, der heilige Mauritius, der der Schutzpatron von Jüterbog ist. Das Original findet ihr im Museum.
Dahinter gelangt ihr in die Töpfergasse, die architektonisch mein Highlight ist. Töpfer gibt es dort nicht mehr aber einen Blick auf das schöne Fachwerkhaus, das Blumberghaus mit den Sprüchen, an der Ecke zur Pferdestraße.
Die einstige Fachwerkstadt kann Jüterbog nicht verleugnen. Heute sieht man zwar scheinbar viele Steinhäuser aber schaut mal in die Brandgassen, die Spalten zwischen den Häusern. Dort kommt man schlecht dran und genau dort sieht man die eigentliche Bauweise der Häuser, Fachwerk. Schön, dass man es bei einigen Häusern wieder hervor geholt hat.
Jetzt aber mal noch ein Wort zum Marktplatz. Neben den dort stattfindenden Märkten reihen sich zahlreiche Cafés und Restaurants rings herum. Wenn ihr also hungrig seid, findet ihr dort ganz bestimmt etwas leckeres zu essen. Das Café „Die Förste“ sah sehr einladend aus.
Für mich ging es weiter, durch die Straßen der Stadt, auf der Jagd nach schönen Fachwerkhäusern. In der Mönchenstraße wurde ich noch mal richtig fündig. Danach fand ich mich am Dammtor wieder und Leute, das wars mit meinem Stadtrundgang. Ich hoffe, ihr wart gern dabei, denn mir hat es richtig gefallen. Jüterbog ist eine viel zu wenig beachtete Schönheit. Also, fahrt hin. 🧡


| Das Stadtmuseum Jüterbog bietet Stadtführungen durch Jüterbog an. |
| Hier findet ihr eine Stadtführungen zum selbst laufen. |


| Öffnungszeiten Stadtmuseum |
| Di./Do.: 10:00–12:30 und 14:00–17:00 Uhr Fr./Sa./So.: 14:00–17:00 Uhr |





| Tetzel und die Ablass Briefe |
| Für den Bau des Petersdoms in Rom brauchte die katholische Kirche Geld. Dieses wurde durch den Verkauf von Ablass Briefen eingesammelt, in denen man sich von seinen Sünden freikaufen konnte. Johann Tetzel war ein Dominikanermönch der sehr erfolgreich diese Briefe verkaufte. Eine seiner Truhen ist original erhalten und steht in der Kapelle der St. Nikolai Kirche in Jüterbog. |
| Man erzählt sich, dass der Ritter Hans von Hake den Ablasskasten geraubt haben soll, wobei er sich vorher von dieser Sünde freigekauft hatte. 😂 |


| Die Legende der Keule |
| Ein reicher Kaufmann vererbte zu seinen Lebzeiten all sein Hab und Gut seinen Kindern. Diese kümmerten sich daraufhin nicht mehr gut um ihren Vater. Also ersann der Kaufmann eine List. Er ließ eine Holztruhe in sein Zimmer bringen, die er mit schweren Feldsteinen füllte und verschloß. Seinen Kindern sagte er, dass derjenige die Truhe erben werde, der ihn am besten versorge. Der Spruch an den Keulen lautet. „Wer seinen Kindern giebt das Brodt und leidet nachmals selber Noth, den schlage man mit der Keule todt.“ |

| Anreise nach Jüterbog |
| 🚙 Bundesstraße 101/102 🚂 Regionalbahn |


| Wohnmobilstellplatz Jüterbog |
| 2 Plätze ohne V/E kostenlos befestigt daneben befindet sich ein großer Parkplatz, der auch für Vans oder Minicamper geeignet ist. |
| Adresse: An der Tränke, 14319 Jüterbog |

| Tourist Info Jüterbog |
| Öffnungszeiten: Di., Do., 10.00 – 12.30 Uhr 14.00 – 17.00 Uhr Fr. 10.00 – 14.00 Uhr Samstag: Jeden ersten Samstag im Monat 10.00 bis 17.00 Uhr |
| Adresse: Mönchenkirchplatz 4, 14913 Jüterbog |
| Tipps für Jüterbog |
| Wandern – Spitzbubenrundweg |
| Skaten & Fahrrad fahren auf der Fläming Skate Strecke |
Hi, ich bin Tina und mit meinem selbst ausgebauten Minicamper Tuesday auf einem Roadtrip durch unser schönes Deutschland. Was ich dabei entdecke zeige ich euch in meinen Videos. Natürlich freu ich mich, wenn ihr mit mir mit reist, über euer Feedback, Tipps und lasst mir gerne ein Abo da. 🧡
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